Barmherzigkeit

Notes about the image (in English and German)


Picture based on Matthew 25.35-36
Barmherzigkeit
Oil on paper (Lk 6,36 / Mt 25,35-36)
Bernd Hildebrandt 2020

Be merciful, just as your Father is merciful. Luke 6.36

The vertical axis in the centre of the picture is composed of symbols that represent without words the faith in God's Trinity, essential for the understanding of the whole picture, namely Jesus' message and exemplified mercy of the Father.

In the evenings, when I light a beeswax-candle and give my thoughts free reign, I also see, how this self-consuming giver of light constantly changes its shape. I sketch one of these impressive forms. In God's hand, the candle, now dressed in deep red, proclaims his love for the world, in that, through his one and only Son, he became one of us in unmeasurable mercy, a true human being. Here, his Holy Spirit is present, symbolised in the flame and in the cross nimbus. In many nativity pictures the child in the manger is already surrounded by this nimbus. This is the gospel of Christmas.

But what about the reality of our response to Jesus' well-founded instruction regarding our mercy? I go back to the first Christmas card in the world, commissioned in 1843 by Sir Henry Cole. Dominant in the card is the scene of a family party raising their wine glasses, flanked by a frame of ivy and vignettes, depicting two acts of mercy, an expression of fleeting benevolence for a few festive days. Had not the words 'Merry Christmas' been included on a banner, it would not have been recognised as a Christmas card. There then followed cards depicting dancing under mistletoe hangings, all kinds of winter scenes and numerous cards with a curious sense of humour. In all of these 'Merry Christmas' seemed like an afterthought. Later came the 'religious Christmas cards'. When I first learned of this nonsensical distinction, I was taken aback. But as a successful trade phenomenon this division remained. Today there are still more Robins than Angels. There used to be also many pagan customs in winter, where the Church did not succeed in giving them a Christian content. Only the secular bustle of our time has displaced the historic background. There remains still everything to do, to acknowledge God's unrepeatable act of mercy and to draw attention to the consequences of this for the world and to fulfil them.

In my picture I show in miniatures, based on Matthew 25.35-36, six acts of mercy: Feed the hungry - give water to the thirsty - shelter the homeless - clothe the naked - look after the sick - visit the prisoner. They are in themselves symbols with a wider meaning. I have clothed, as far as possible, the figures in the stile of the 19th century, a time of much need and the appearance of great social initiatives. Behind the superficial physical needs are in any case situations from other causes. The open-minded viewer will have thoughts that our time raises. Even if the tasks that result from social responsibility towards others are subject to constant changes, and who can deny that in these difficult times, the service of humanity retains its indispensable place, again and again the strength for the good has to be found.

Bernd Hildebrandt, Christmas 2020

 


Barmherzigkeit

Die vertikale Achse in der Mitte des Bildes setzt sich aus Sinnbildern zusammen, die ohne Worte den Glauben an den Dreieinigen Gott repräsentieren, der zum Verständnis des Bildes notwendig ist, eben die von Jesus verkündete und vorgelebte Barmherzigkeit des Vaters.

Wenn ich abends eine Bienenwachs-Kerze anzünde, sehe ich auch, wie sich die selbstverzehrende Lichtspenderin in diesem Vorgang ständig verändert. Ich skizziere eine mich beeindruckende Form. In der Hand Gottes verkündet diese Kerze, nun in tiefem Rot gekleidet, von seiner Liebe zur Welt, in der er sich in seinem eingeborenen Sohn in unermesslicher Barmherzigkeit als wahrer Mensch mit uns gleichstellt. Hier ist sein Heiliger Geist gegenwärtig, der in der Flamme und dem goldgelben Kreuznimbus symbolisiert wird. Vom Kreuz im Nimbus ist auf vielen Bildern schon das Kind in der Krippe umgeben. Dies ist das Weihnachtsevangelium.

Wie sieht es nun aber mit der Realität unserer Antwort auf die begründete Anweisung Jesu mit unserer Barmherzigkeit, Mitmenschlichkeit aus? Ich greife auf die erste Weihnachtskarte der Welt zurück. Sie wurde 1843 in England von Sir Henry Cole in Auftrag gegeben. Dominierend ist das Bild einer Festtafel, an der seine Familie Weingläser schwenkt. Und es gehörte wohl zum guten Ton, in den Randverzierungen auch zwei Werke der Barmherzigkeit einzubeziehen. Es ist Ausdruck flüchtigen Wohlwollens für ein paar Festtage. Wenn da nicht auch die Worte "Merry Christmas" ständen, würde man die Karte gar nicht als Weihnachtsgruß erkennen. Auf nachfolgenden Karten sieht Tänze unter Mistelzweigen, mannigfache Winterfreuden, bis hin zu merkwürdig derbem Humor. "Frohe Weihnachten" erscheint da wie eine Fußnote. Jahre später gab es dann auch "religiöse" Weihnachtskarten. Man kann sich mein Befremden vorstellen, als ich dieser, bis heute eingehaltenen Verzerrung des Begriffes Weihnachtskarte begegnete. Aber als erfolgreiches Handelsphänomen ist und bleibt es unantastbar. Es gibt immer noch mehr Rotkehlchen als Engel. Dies galt ursprünglich für eine Vielzahl heidnischer Bräuche zur Winterzeit, wo es der Kirche nicht gelang, ihnen einen christlichen Inhalt zu geben. Erst die säkulare Geschäftigkeit unserer Zeit hat die historischen Hintergründe erfolgreich verdrängt. Da bleibt noch alles zu tun, das unwiederholbare Handeln Gottes als Barmherzigkeit anzuerkennen und auf die sich daraus in der Welt ergebenden Konsequenzen aufmerksam zu machen und sie zu erfüllen.

Auf meinem Bild sind wie Miniaturen, nach Matthäus 25,35-36, sechs Werke der Barmherzigkeit dargestellt: Hungrige speisen - Durstige tränken - Fremde beherbergen - Nackte kleiden - Kranke pflegen - Gefangene besuchen. Es sind in sich selbst Sinnbilder mit mehrschichtiger Bedeutung. Ich habe die Figuren, so weit als möglich im Stil des 19. Jh. gekleidet, einer Zeit großer Not und der Entstehung großer, sozialer Werke, in Deutschland die Wiege der neuzeitlichen Diakonie. Hinter den vordergründig leiblichen Nöten stehen in jedem Fall Notstände anderer Ursachen. Dem aufgeschlossenen Betrachter werden dazu die Gedanken kommen, die unsere heutige Zeit aufwirft.

Wenn auch die Aufgaben, die sich aus der Wahrnehmung sozialer Verantwortung am Nächsten ergeben, in ihrer Ausführung einem ständigen Wandel unterlegen sind, und wer kann das gerade in dieser schweren Zeit bestreiten, behält der Dienst der Mitmenschlichkeit seinen unaufgebbaren Platz und immer wieder muss die Kraft zum Guten gefunden werden.

Bernd Hildebrandt, Weihnachten 2020

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