Gott ist treu

Notes about the image (in English and German)


Christmas scene of Mary and Jesus, and animals, and cross-shaped shadow
Gott ist treu
Pressed flower composition
Bernd Hildebrandt 2019

God is faithful

The first stimulus for this Christmas Card was an unnamed, with light flooded, empty room; not a creation of my imagination, but a photo that has accompanied me since my calling into the Diakonie 65 years ago. When I entered the Hessische Brüderhaus, it was a new world, with its own rules, following the wisdom of the fathers. This included not least the farewell from my girlfriend, who gave me as a parting present a little book of known poems and photos on the subject of light.

This is how I came up with this scene, so familiar to us in many variations. I deliberately emphasized the great tension in an accumulation of symbols, that especially at Christmas, looking back from Easter, needs to be proclaimed in God's word. God eternally mourns over my wretchedness, he thought of his mercy, he wanted to help me. He turned to me his father's heart, that was no joke for him, he paid it with his best. This is the gist of a verse in one of Martin Luther's hymns. God's incomprehensible act of redeeming his creation gives rise to the exclamation chosen as a guiding text for 2020: I do believe; help me to overcome my unbelief! (Mk. 9.24). Our joyous Christmas hymns do not hide the fact that salvation and evil, light and darkness are side by side from the first pages of the Old Testament, through the gospels to our present day. So, in my picture lies a constant change, which is not to be overlooked.

From the symbolic language of the pre-Gothic book illuminations I have attached to the tightly wrapped child the small detail of a drooping swaddling band. This, seen as a tongue, is symbol for word, language and speech, which are so close to each other in our language (mother tongue). Here, in the swaddling band, it is a reference to The word became flesh (John 1.14). In the same chapter of the gospel, according to the words of John the Baptist, the symbol of the Lamb, is a reference to Jesus: Look, the Lamb of God. Ox and donkey point to the lament of the Prophet Isaiah: The ox knows his master, the donkey his owner's manger, but Israel does not know, my people do not understand (Isaiah 1.3). Often a fence is not missing in representations of the birth of Christ. The fence points to the prophecy of Amos: In that day I will restore David's fallen tent. I will repair its broken places, restore its ruins, and build it as it used to be (Amos 9.11).

But in these opposites of promise and lament the meaning of the picture is not exhausted. The room flooded with light initially looks like an idyll of a peaceful, whole world. The prophetic word used in the text for December: Let him who walks in the dark, who has no light, trust in the name of the Lord and rely on his God (Isaiah 50.10), has been fulfilled for the waiting believer. Yet, when Christ, the light of the world, came into the world as a true human being to fulfil the Father's will, he also had to expose himself to the darkness of mankind from birth to the bitter end. On the left side of the picture is a pillar. In its supporting power, it can be seen here as a connection between heaven and earth. We read in the account of the departure of God's people from Egypt: By day the Lord went ahead of them in a pillar of cloud to guide them on their way ... (Exodus 13.21). At the same time, in many images of his passion, we see Jesus tied to a pillar, taunted and scourged by people for whose salvation he became human.

However, in addition to all these signs, the picture is dominated by the cross in the window, which brings light and shadow into the room, magnified in reflection. Here lies the sum of the passion: My God, why have you forsaken me? (Mt. 27.46), and It is finished (John 19.30). That's why we start a new year with the testimony: Our Lord is faithful (1. Cor. 1.9).

Bernd Hildebrandt, Christmas 2019

 


Gott ist treu

Erste Anregung für dieses Weihnachtsbild war ein unbenannter, vom Licht durchfluteter, leerer Raum; kein Gebilde meiner Fantasie, sondern ein Foto, das mich seit meiner Berufung in die Diakonie vor 65 Jahren bis heute begleitet hat. Beim Eintritt in das Hessische Brüderhaus begab ich mich in eine neue Welt, mit ihren eigenen, der Weisheit der Väter folgenden Regeln. Dazu gehörte nicht zuletzt der Abschied von meiner Jugendfreundin, die mir zur Erinnerung ein Büchlein bekannter Gedichte und Fotos zum Thema Licht mit auf den Weg gab.

So entstand diese, uns in vielen Varianten so vertraute Szene. Ich habe in einer Anhäufung von Sinnbildern absichtlich die große Spannung betont, die gerade zu Weihnachten von Ostern her in Gottes Wort zu verkündigen ist. "Da jammert Gott in Ewigkeit mein Elend übermaßen; er dacht an sein Barmherzigkeit, er wollt mir helfen lassen; er wand zu mir das Vaterherz, es war für ihn fürwahr kein Scherz, er ließ's sein Bestes kosten". So sagte es Martin Luther (EG 341,4). Dieses unbegreifliche Handeln Gottes zur Rettung seines Geschöpfes gibt Anlass zu dem Ausruf, als Losung für 2020 gewählt: Herr ich glaube, hilf meinem Unglauben (Mk. 9,24). Unsere fröhlichen Weihnachtslieder täuschen nicht über die Tatsache hinweg, dass Heil und Unheil, Licht und Finsternis von den ersten Seiten des Alten Testaments, über die Evangelien bis in unsere Gegenwart untrennbar sind. So liegt im Bild ein ständiger Wechsel, der nicht zu übersehen ist.

Aus der Gewandsprache der vorgotischen Buchmalerei habe ich bei dem fest eingewickelten Kind das kleine Detail eines herabhängenden Wickelbandes angefügt. Dieser Zipfel, gesehen als Zunge, ist Symbol für Wort, Sprache und Rede, die ja nicht nur in unserer Sprache (z. B. mother tongue) so nah beieinander liegen. Hier ist das Wickelband ein Hinweis auf das Fleisch gewordene Wort (Joh. 1,14). Im gleichen Kapitel des Evangeliums liegt nach den Worten Johannes des Täufers im Sinnbild des Lammes ein Bezug auf Jesus: Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt. Ochse und Esel weisen auf die Klage des Propheten Jesaja: Ein Ochse kennt seinen Herrn, und ein Esel die Krippe seines Herrn; aber Israel kennt's nicht, und mein Volk vernimmt's nicht (Jes. 1,3). Oft fehlt auch ein Zaun nicht in Darstellungen von Christi Geburt. Er weist auf die Weissagung des Propheten Amos: Zur selben Zeit will ich die zerfallene Hütte Davids wieder aufrichten und ihre Lücken verzäunen (Amos 9,11). Aber in diesem Wechsel von Verheißung und Klage ist die Aussage des Bildes nicht erschöpft.

Der vom Licht durchflutete Raum wirkt zunächst wie das Idyll einer heilen Welt. Das im Monatsspruch vorgegebene Prophetenwort: Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet, der vertraue auf den Namen des Herrn und verlasse sich auf seinen Gott (Jes. 50,10), hat sich durch das Licht zu erleuchten die Heiden (Luk. 2,32) für den wartenden Gläubigen erfüllt. Wir hören es von Jesus selbst: Ich bin gekommen in die Welt ein Licht, auf dass, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibt (Joh. 12,46). Und doch, wenn Christus, das Licht der Welt, als wahrer Mensch in die Welt kam, um den Willen des Vaters zu erfüllen, musste er sich auch der Finsternis der Menschheit von Geburt bis zum bitteren Ende aussetzen. Auf der linken Seite meines Bildes steht eine Säule. Sie ist in ihrer vielfältigen Bedeutung als tragende Kraft hier als Verbindung zwischen Himmel und Erde zu sehen. Im Bericht vom Auszug des Gottesvolkes aus Ägypten lesen wir: Und der Herr zog vor ihnen her, des Tages in einer Wolkensäule, dass er sie den rechten Weg führe ... (2. Mose 13,21). Gleichzeitig sehen wir Jesus in vielen Bildern seiner Passion an eine Säule gefesselt, verhöhnt und gegeißelt von den Menschen, zu deren Rettung er Mensch wurde.

Neben all diesen Zeichen wird das Bild jedoch vom Kreuz im lichten Fenster beherrscht, das Licht und Schatten in den Raum bringt, die sich in Reflexion vergrößern. Hierin liegt die Summe der Passion: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen (Matth. 27,46), und Es ist vollbracht! (Joh. 19,30). Darum beginnen wir ein neues Jahr mit dem Zeugnis: Gott ist treu (1. Kor. 1,9). Hierzu ein Wort Augustinus aus einer Weihnachtspredigt zu 1. Johannes 1: "Gott ist Licht und in ihm ist keine Finsternis. Wer möchte wagen, zu behaupten, dass in Gott Finsternis ist? So wir aber im Lichte wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander".

Bernd Hildebrandt, Weihnachten 2019

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