Angel

Notes about the image (in English and German)


Image of an angel, made from pressed plants, inspired by Lippi's 'An Angel Adoring'
Angel
Pressed flower composition
Bernd and Ilse Hildebrandt 2016

About Angels – God's messengers

It was at a time where it was a struggle for parents to provide adequately for their families. Lighter, happy moments were few. This may have been the reason, why I remember to this day a particular episode in my childhood. One day my father came home and produced with the greatest joy his acquisition, a print of Filippino Lippi's painting “An Angel Adoring” (ca. 1495). My father was not a pious man, he nevertheless was a staunch defender of the dignity in all religious expressions. Little did I know then that just over a decade later I would come face to face with the original painting of Lippi's angel in London's National Gallery. And a framed copy of this image has been a treasured presence in my family home ever since.

In the Bible we read about angels, these beings of the spirit between God and man, at nearly every important junction in the history of salvation, nowhere more than in the Christmas gospels of Luke and Matthew. The angels belong, not as central figures and not as ornaments, but as, in their nature inexplicable and unknowable mysteries of existence with a special, dual function. They are to praise God, glory to God in the highest, and to serve mankind, on earth peace to men on whom God's favour rests.

Angels are not to be worshipped, nor used as mediators in prayer. But “as God's angels they demand respect” (Karl Barth). In pictures they are the product of our imagination. My first depiction of an angel was in a lino-cut. Over the years angels appeared in my Christmas cards more often than any other figure in the story of the nativity. And this year I have for the first time made an angel the sole subject of my card.

Because all our presentations of angels, in word, song and visual forms are to be seen as symbols, they need to remain, in all freedom of expression, within traditional concepts and historic renditions. Otherwise they are no longer symbols, namely means of recognition and identification.

Within these boundaries I opted to use only the colourful material of pressed flowers and leaves from the garden, something new to a familiar task. It opened possibilities and presented restrictions alike.

Finally, I would like to advise that we use restraint in our review of individual creativity. The diverse works of great masters, my collage or, for that matter, any angel-shaped ornament on a Christmas tree can, as long as it is not used as mere meaningless decoration, carry the message of our faith: “Christ the Saviour is born”.

Bernd Hildebrandt, Christmas 2016

 


Engel – Sendboten Gottes

Meine Seele wartet auf den Herrn von einer Morgenwache bis zur anderen. Psalm 30,16

Dieses Gebet, gewählt als Spruch zum Weihnachtsmonat, hat mit der Menschwerdung Gottes seine ‘endgültige’ Erfüllung bekommen. Das Warten des Gottesvolkes, diese große Hoffnung, “dieses starke Verlangen des Herzens” (Spurgeon), wird uns von Generation zu Generation im Alten Testament immer wieder bezeugt. Und die Erfüllung dieser Erwartung wird von den Propheten als ein herrlicher Tagesanbruch verkündet.

“Gottes Sohn ist kommen uns allen zu Frommen hier auf dieser Erden in armen Gebärden …” (EG 5). Dies ist der Inhalt des Neuen Testaments; ein unbeschreiblich kostbares Geschenk, das allerdings im Glauben immer wieder neu angenommen werden muss. “In dieser Nacht begann ich aber zu begreifen, dass Gott den Menschen nichts schenken kann, wenn der Mensch sich nichts schenken lassen will. Und damit begann ich, mich selbst und meine Haltung diesem Weihnachtsfest gegenüber allmählich anders zu sehen”. So schreibt es der Dichter Willy Kramp in seiner Erzählung “Wir sind Beschenkte”. Hinter diesem Annehmen der Gottesgabe steht unendlich mehr als hier auch nur angedeutet werden könnte. Dazu gehört die Jahreslosung für 2017, Gottes Verheißung: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch (Hesekiel 36,26). Und in diesem Wirken Gottes sehe ich den Dienst der Engel impliziert.

Nun ein paar Gedanken, Erfahrungen und Erklärungen zu meinem Bild. Martin Luthers Aussage “Ich fange bei der Krippe an”, entbehrt bei der Gestaltung einer Weihnachtskarte nicht der Logik, ist aber auch in unseren Tagen durchaus nicht selbstverständlich. Da hat ein Rotkehlchen im Schnee den Vorsprung.

Hier ist es bis in unsere Zeit Brauch, von einem Weihnachtsfest zum nächsten zu leben. Mein Nachbar, ein Metzger im Ruhestand, hat mir da eine Erfahrung bestätigt. Auch er hatte in seinem Laden einen ‘Christmas Club’, in den seine Kunden über das Jahr einzahlten, um die Krönung des Weihnachtsfestes, einen ansehnlichen Braten, finanziel zu sichern; damit war die ‘Sorge’ um das Gelingen des Festes behoben. Bei mir fängt die ‘Sorge’ um das Fest auch Jahr um Jahr früh an, spätestens wenn die Ostereier verziert sind. Wie setze ich die Botschaft: Euch ist heute der Heiland geboren (Lukas 2,11) ins Bild? Meine erste Weihnachtskarte war ein Engel im Linolschnitt. Und wenn ich heute Bilder vieler verflossener Jahre betrachte, sind Engel häufiger dabei als alle anderen Gestalten der Weihnachtsgeschichte. Erstmals habe ich aber nun einen Engel in den Mittelpunkt gesetzt.

In der Bibel begegnen uns Engel, das heißt Boten, an fast allen markanten Stellen der Heilsgeschichte, unübersehbar in der Weihnachtsbotschaft der Evangelisten Lukas und Matthäus. Die Engel gehören dazu, nicht als Hauptpersonen und nicht als Ornamente, sondern in ihrer Unfassbarkeit und Unanschaubarkeit als Gestalten mit einer ganz eigenen Funktion, einem heiligen Amt im Bereich der Liturgie und der Diakonie. Dies offenbart sich im Lobgesang: Ehre sei Gott in der Höhe, und in der Verkündigung: Frieden auf Erden.

In unseren diesseitigen Möglichkeiten sind die Engel in ehrfürchtiger Phantasie Symbole unsichtbarer Wirklichkeiten. Dabei ist die Phantasie nicht grenzenlos, sondern in aller Freiheit, in aller Vielfalt, in überlieferte Formen gebunden. Das ist ja gerade der Sinn und Zweck eines Symbols; es muss ein Erkennungszeichen sein.

So hat auch meine Darstellung ganz den Charakter der vertrauten Erkennbarkeit. Doch man vergesse darüber nicht, dass es bei Engeln um den von Gott gegebenen Auftrag an uns geht. “Der Engel ist immer genau das, was Gott ihm zu sein befiehlt” (Karl Barth). Engel sind deshalb nicht Gegenstand der Anbetung und Verehrung.

Unter Beachtung dieser Abgrenzung ist nun doch ein ungewöhnliches Bild entstanden. Über die Jahre habe ich in großer Vielfalt gepresste Blumen und Blätter in ihrer Charakteristik so naturgetreu als möglich ins Bild gesetzt. Eine Beschränkung auf ausschließlich buntes Pflanzenmaterial aus dem Garten für die Gestaltung eines Weihnachtsbildes, das war mir nun eine neue Erfahrung in ihren Möglichkeiten und Grenzen. So ist z.B. der Botenstab des Engels, bei der Verkündigung an Maria traditionell oft mit einer weißen Lilie ausgetauscht, hier jedoch mit einer bunten peruanischen Lilie gezeigt, den Malern früherer Generationen gar nicht bekannt. Der Blick des Engels ist über das hier nicht dargestellte Gegenüber hinaus in die Weite gerichtet, eben das Himmlische, der in Gott liegende Orientierungspunkt.

Damit komme ich zurück zu unseren Ausdrucksformen des Unbegreiflichen in Worten, Liedern und Bildern. Seien wir nicht zu kritisch in der Beurteilung der individuellen Kreativität. Denn sei es das Kunstwerk eines großen Meisters oder ein Rauschgoldengel auf einer Tannenspitze, solange sie nicht in sinnloser Oberflächlichkeit verschwinden, sind sie Glaubensbekenntnis.

Bernd Hildebrandt, Weihnachten 2016

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