The Song of Simeon

Notes about the image (in English and German)


Jesus in the Temple in Jerusalem, 40 days after his birth
The Song of Simeon in Luke 2.22-40
Relief, clay with oil
Bernd Hildebrandt 2012

Forty days of Christmas

Early Christian celebrations started with Easter – the resurrection and ascension of Christ, and understandably not with Christmas, the commemoration of his birth into this world. By the time the Gospels were written, they were based on a continuous oral tradition derived from those who knew Jesus, but at the same time legends emerged and many remained outside the New Testament. In Luke’s well-known account of the nativity, the story of the infant’s presentation in the temple in Jerusalem, less than six miles away from Bethlehem, is very much part of the Christmas story.

The event took place, in accordance with the Mosaic Law, forty days after Jesus’ birth. This was the earliest possible time at which Mary, after giving birth, could come out of her ceremonial isolation and present herself to a temple priest for the rite of her purification. The sacrifice offered at this event was “a pair of turtledoves, or two young pigeons”. At the same time it was the duty of Jesus’ parents, to present their first-born son to the service of God in the temple. He could be redeemed from this duty through a payment of money to the priests.

But both these events became secondary in the Bible story through the prophesy of the devout Simeon. Unlike Mary and Joseph, who had received instructions from an angel of the Lord, the Holy Spirit moved Simeon, as well as Hanna: Lord, now lettest thou thy servant depart in peace, according to thy word; for mine eyes have seen thy salvation which thou hast prepared in the presence of all peoples, a light for revelation to the Gentiles, and for glory to thy people Israel (Luke 2.29ff).

This revelation not only fulfilled the Jewish messianic hope, but also meant a gift to all mankind. In this instance, Simeon becomes a prophet in the tradition of the Old Testament, especially the messianic proclamations of Isaiah. He points already from the child Jesus to the man, who’s teaching and actions will be resisted and lead him to the ultimate suffering on the cross.

The manger scene in Bethlehem, which in our time still decorates Christian homes, does not include the prophet Simeon. Instead we have from Matthew’s Gospel the story of the three wise men, the Magi from the East, who followed a star to Bethlehem. Matthew tells a much more troubled story, which ends with king Herod’s massacre of innocent children and the flight of the Holy Family to Egypt.

The accounts of Luke and Matthew cannot be reconciled. Either Jesus was not presented in the temple forty days after his birth, unlikely in the light of Jewish religious practice, or the Magi came to Bethlehem only much later and the flight to Egypt took place after Simeon’s prophecy, where Luke tells us that the Holy Family returned to Nazareth. Interpreters come across such puzzles often, and the explanations are manifold without solving anything. But Matthew and Luke appeal to both, the Jews and Gentiles and convey in their different ways that God so loved the world that he gave his one and only son (John 3.16).

In my mind one point remains. The event surrounding Simeon and Hanna very much belong to the Christmas story and the Christmas time therefore extends past what we celebrate as the Epiphany on 6th January to the full forty days to what in the Anglican Church is known as Candlemass on 2nd February.

And finally, it does not matter if we celebrate the birth of Christ on 25th December or 6th of January or any other date, because neither the precise year, nor date of his birth will ever be known. There are many reasons, why the Church in the 4th century declared a date around the winter solstice as Christmas, not least because there had already been established pagan celebrations with various ancient customs and underlying, fear-inducing beliefs, which mirrored the bleak winter time. Christians needed to fill this time with a joyful and liberating new meaning, namely that “Christ, the Saviour, is born”.

Bernd Hildebrandt, Christmas 2012

 


Bildbetrachtung zu Weihnachten und zum Neuen Jahr

Wir wissen sehr wohl, dass Menschen, und nicht nur in unserer Zeit, Weihnachten fröhlich an der Geburt Christi vorbei feiern können. Es ist gleichsam verständlich, dass wenn wir das Weihnachtsfest im Bewusstsein der christlichen Verkündigung feiern, uns Bilder von Hirten mit ihren Schafen, prunkvoll als Könige gekleidete weise Männer, der Stall in Bethlehem mit dem Kind in der Krippe, wie auch Menschen auf der Flucht unserem Vorstellungsvermögen geradezu entgegen kommen. Sie bringen ästhetische Gefühle hervor, die leicht an dem Kern vorbei in der Oberflächlichkeit verweilen können.

Schwerer ist es, eine Beziehung zu der Darstellung Jesu im Tempel von Jerusalem herzustellen. Aber diese Begebenheit gehört nach Lukas 2.22ff auch zur Weihnachtsgeschichte. Hier haben wir Verse, die tief in die Verkündigung von Krippe und Kreuz greifen. Das mag uns beim feiern der Weihnacht vielleicht ungelegen kommen, doch wäre es falsch, wenn unsere Gedanken nicht zu dem Mann vordringen, der aus dem Kind heran wuchs (Philliper 2.7) und was Jochen Klepper in seinem Weihnachtslied dichtete (EG 50): “Dein Urteilsspruch ist längst gefällt, das Kreuz ist dir schon aufgestellt”.

Zwei gottesfürchtige, alte Menschen, Simeon und Hanna, im Augenblick der Darstellung Jesu im Tempel vom Heiligen Geist erleuchtet, helfen uns hier. Ja, es ist der Lobgesang des Simeon, der das jüdische Ritual der Darstellung des dem Herrn gehörenden erstgeborenen Sohnes, wie auch das Reinigungsopfer der genesenen Wöchnerin Maria in den Hintergrund des Lichtes der Gnade Gottes stellt:

Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, welchen du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht, zu erleuchten die Heiden und zum Preis deines Volkes Israel.

Simeon, in der Frömmigkeit des Alten Bundes, wartet auf die Erfüllung der Prophetenworte, insbesondere die Messias Ankündigungen des Jesaja. Dazu gehört auch der Monatsspruch für Dezember:

Mache dich auf, werde licht! Denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir (Jesaja 60.1).

Da Simeon weder als Priester noch als Rabbiner vorgestellt wird, habe ich seine Frömmigkeit sinnbildlich im jüdischen Gebetsschal (Tallit) angedeutet, und seine Adventshoffnung im Grün seines Gewandes.

Der Tempel in Jerusalem, zur Zeit Jesu noch Mittelpunkt des religiösen Lebens in Israel, war ein umfangreicher Gebäudekomplex, mit dem der König Herodes die Römer beeindrucken wollte. Ein Vergleich mit unseren Kirchen wäre da in jeder Hinsicht falsch, doch aus Unwissenheit auf vielen Bildern der Darstellung Jesu so präsentiert. Da finden wir auch Simeon im Amt des Hohen Priesters oder auch als Bischof vor einem Altar stehend, und oft sind die Personen, in Unkenntnis jüdischen Brauches, ohne Kopfbedeckung zu sehen. All dies galt es zu vermeiden. Und so ist der Tempel hier im Bild lediglich durch eine Säule angedeutet, die auf alten Christgeburtsbildern gleichzeitig Symbol für das Kreuz wurde.

Jesu Vater, im Gewand erdgebundener brauner Farben, und Mutter, im Blau der Christusfarbe und dem Rot der Liebe Gottes gekleidet, sind über das Simeon Zeugnis erstaunt. Es ist ja hier keine Offenbarung durch Engel, sondern ein Prophetenwort eines Mitmenschen.

Maria wird es später schmerzlich erfahren, was auch hier noch Sinnbild ist, die Übergabe Jesu, nicht in die Arme eines frommen Mannes, sondern an eine Welt, in der seiner göttlichen Autorität widersprochen wird.

Der Lobgesang des Simeon beinhaltet auch, was uns die Kirche als Leitwort für das Jahr 2013 ausgewählt hat:

Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir (Hebräer 13.14). Von der Realität unserer Vergänglichkeit ist in der Bibel immer wieder die Rede, und Simeon sieht im Glauben dem Stachel des Todes friedlich entgegen. Für ihn ist die Hoffnung auf die zukünftige Stadt zur Gewissheit geworden. In unseren Kirchenliedern wird zu diesem Thema wiederholt gesungen:

“Ein Tag, der sagt dem andern, mein Leben sei ein Wandern zur großen Ewigkeit. O Ewigkeit, so schöne, mein Herz an dich gewöhne, mein Heim ist nicht in dieser Zeit” (Gerhard Tersteegen 1745, im EG 481).

“Mein Heimat ist dort droben, da aller Engel Schar den großen Herrscher loben, der alles ganz und gar in seinen Händen träget und für und für erhält, auch alles hebt und leget, wie es ihm wohlgefällt” (Paul Gerhardt 1666/67, im EG 530).

Im Bild ist die greise Prophetin Hanna auch dabei. Der Evangelist Lukas stellt sie uns vor als eine Frau, die durch ihr Vorbild von jedermann in Ehren ernst zu nehmen ist. Ihre Anwesenheit, wie auch die der Maria, platziert das ganze Geschehen in einen der äusseren Höfe des grossen Tempels, denn Frauen war das Innere des Heiligtums nicht zugänglich. Hanna schaut aus dem Bild auf den Beschauenden und deutet, wie um die dreißig Jahre später ja auch Johannes der Täufer, auf Jesus: Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen (Johannes 3.30). Hanna pries den Herrn und redete von ihm zu allen, die auf die Erlösung zu Jerusalem warteten (Lukas 2.38).

Mögen auch wir, wie einst Simeon und Hanna, zu dieser Weihnacht das Gottesgeschenk in unser Leben hinein nehmen und es im neuen Jahr dann auch zum Segen unserer Mitmenschen werden lassen.

Bernd Hildebrandt, Weihnachten 2012

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