Alma nox, tacita nox

Notes about the image (in German only)


The words Alma nox, tacita nox are central in this colourful painting
Alma nox, tacita nox
Blessed Night, Silent Night!

Acrylic on paper
Bernd Hildebrandt 2002

Alma nox, tacita nox

Wie gestaltet man eine Spruchkarte zu Weihnachten, die international brauchbar ist? Dazu ist mir lange nichts eingefallen. Doch beim Lesen von 74 Textfassungen zum Lied ‘Stille Nacht, heilige Nacht’, zurückübersetzt ins Deutsche aus 45 Sprachen im Europäischen Sprachraum, kam mir über den lateinischen Texten die Idee, bei der über tausend Jahre alten Kunstform der irischen und angelsächsischen Bibelhandschriften Anleihe zu machen. Von den Liedanfängen ‘nox tacita, nox ter sacra’ - stille Nacht, dreimal heilige Nacht, ‘natus est parvulus’ - geboren ist ein Kindelein, ‘alma nox, tacita nox’ - segenbringende Nacht, stille Nacht, wählte ich den letzteren aus. Dabei ließ ich die Kritiker an Text und Melodie des Liedes unbeachtet. Schließlich wurde das Lied ja Allgemeingut vieler Sprachen und Kulturen und auch ein kleines Werkzeug ökumenischer Begegnungen. Interessant sind einige Varianten des Liedanfangs in anderen Sprachen, wie zum Beispiel Französisch: Nacht der Liebe, heilige Nacht; Italienisch: Stille Nacht, heiliges Geheimnis; Spanisch: Nacht Gottes, Nacht des Friedens.

In Entwurf und Ausführung des Bildes habe ich mich wie gesagt an den Stil der Buchmalerei gehalten. Hier aber die oft strenge geometrische und ornamentale Form durchbrochen. Natürlich ergeben moderne Werkzeuge und Farben ein anderes Resultat, als die komplizierte Kunst der Mönche im Umgang mit organischen und mineralischen Pigmenten und den vielfältigen Mischprozessen. Auch die von mir benutzte Symbolik ist offensichtlicher als die bis heute zum Teil unerforschten Sinnbilder und Farbgebungen in den alten Evangeliaren.

Vielleicht nur ein paar Stichworte zu der Darstellung von Kreuz und Schwert, Weltkugel und Schlange. Das Schwert verwehrt den Eingang ins Paradies. Der Heilige Abend hat nicht zufällig auch den Namen ‘Adam und Eva’. Aber darauf folgt die Weihnacht. “Heut schließt er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis; der Cherub steht nicht mehr dafür. Gott sei Lob, Ehr und Preis.”

Die Schlange ist in der Bibel oft ein durchaus positives Symbol. Nicht aber in der Darstellung des Sündenfalls. Im ersten, wie im letzten Buch der Bibel erscheint sie als der Antichrist. Deshalb deutet die Schlange, die die Welt umschlungen hält, aber durch das Kreuz vernichtet wird auf die Bedeutung der Geburt Christi: “Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, daß er die Werke des Teufels zerstöre” (1. Joh. 3,8).

Bernd Hildebrandt, Weihnachten 2002

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